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Die Lieferketten von heute entwickeln sich in rasantem Tempo weiter. Die Erwartungen der Kunden an eine optimale Lieferung werden immer anspruchsvoller, und der explosionsartige Anstieg von Bestellungen über Mobiltelefone und E-Commerce-Plattformen hat zu einer Zunahme der Kanäle sowie der Bestellhäufigkeit und -menge geführt. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, werden die Netzwerke immer komplexer, da Unternehmen zunehmend auf externe Partner und 3PLs (firmenexterne Logistikdienstleister) setzen.

All dies führt dazu, dass ein immer höheres Maß an Agilität und Reaktionsvermögen erforderlich ist. Um dies zu bewerkstelligen, benötigen Supply-Chain-Teams Transparenz und detaillierte Erkenntnisse über ihre gesamten Prozesse, und zwar innerhalb eines Zeitfensters, das es ihnen ermöglicht, geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Sind Unternehmen für diese neue Welt gewappnet und in der Lage, das erforderliche Maß an Transparenz und Erkenntnissen zu bieten? In der Regel lautet die Antwort „nein“.

Immer wieder führen Lieferkettenverantwortliche „mangelnde prozessübergreifende Transparenz“ als Problem an, was angesichts der Anzahl an Unternehmen, die mit ERP-Systemen wie SAP arbeiten, ungewöhnlich ist. Wenn man jedoch näher betrachtet, welche Informationen Managern und Führungskräften zur Verfügung stehen, sind fast all diese Informationen in BI-Tools enthalten, mit denen Berichte lediglich über Kennzahlen der vergangenen Leistung erstellt werden. Das hat mich dazu veranlasst, verschiedene Leute zu fragen: „Warum benötigen Sie diese Berichte und Dashboards?“ Sie alle haben mir dieselbe Antwort gegeben: „Weil wir wissen müssen, was in unserer Lieferkette passiert.“ Wenn sich die von ihnen verwendeten Informationen darauf konzentrieren, was passiert ist, statt darauf, was gerade passiert, stellt sich mir die Frage, ob sie wirklich die Kontrolle haben.

Und um ehrlich zu sein, habe ich so meine Zweifel daran. Traditionelle BI-Tools bieten eine Fülle an Informationen, jedoch über Ereignisse, die bereits passiert sind. Wie können Sie die Ausrichtung Ihrer Lieferkette verstehen und steuern, wenn Ihre einzige Kontrollmethode der Blick in den Rückspiegel ist? Wenn Sie wirklich verstehen und steuern möchten, was in Ihrer Wertschöpfungskette passiert, benötigen Sie Erkenntnisse darüber, was im Moment passiert und was in naher Zukunft vor sich gehen wird.

Dieses Problem liegt klar auf der Hand. Um es zu erkennen, muss man sich nur anschauen, wie viele Produktionsplaner, Kundendienstmitarbeiter, Lagerverwalter und Versandplaner auf irgendeine Form von eigenentwickelten Analysetools zurückgreifen – in der Regel über einen Import in eine Excel-Datei. Sie verfügen einfach nicht über die Tools, die erforderlich sind, um voll und ganz zu verstehen, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Also entwickeln sie ihre eigenen. Mit diesen „selbstgebastelten“ Lösungen wird das Problem jedoch nur noch verschlimmert, da sie zu zahllosen Datensilos und unterschiedlichen „Quellen der Wahrheit“ führen.

Um eines klarzustellen: Ich sage nicht, dass Sie nur über Dinge berichten sollen, die gerade im Moment passieren. Berichte über die vergangene Leistung sind nach wie vor wichtig, da man immer aus der Vergangenheit lernen kann. Es lohnt sich immer, Fragen zu stellen wie: „Was ist gut gelaufen und was weniger gut?“ oder „Was können wir daraus lernen?“ Wie können Sie jedoch die Kontrolle über Ereignisse haben, die bereits passiert sind? Und wie kann eine vollständig integrierte Lieferkette durch unabhängige Siloaktivitäten verbessert werden?

Dies sind alles Fragen, die vor Kurzem in einem von mir moderierten Webinar behandelt wurden: „Beyond Reporting: Empowering the Agile Supply Chain Through Cross-Process Control Towers(Über die Berichterstattung hinaus: Stärkung der agilen Lieferkette durch prozessübergreifende Control Tower). Ich verwende gerne eine Analogie, um zu erklären, dass wir nicht nur Informationen über die Vergangenheit benötigen, sondern auch Erkenntnisse über die nahe Zukunft. Diese Analogie findet man in einem Control Tower. Um sicherzustellen, dass Flugzeuge sicher landen, muss man sowohl die kritische Situation (Welche Flugzeuge haben ausreichend Treibstoff, um eine Warteschleife zu fliegen, und welche müssen sofort landen?) als auch deren Auswirkungen (Welche Auswirkungen haben Verspätungen auf geplante Starts und Anschlussflüge?) verstehen. Das bedeutet, dass Fluglotsen einen transparenten Überblick über die aktuellen Ereignisse haben müssen, d. h. die Flugzeuge in der Luft. Sie benötigen keinen Bericht über die Flugzeuge, die bereits gelandet sind.

Genauso benötigen wir dieselbe Transparenz und Kontrolle in unserer Lieferkette, um sicherzustellen, dass unsere Kundenbestellungen ebenfalls sicher eintreffen. Benötigen nicht auch wir Erkenntnisse, mit denen wir zukünftige Probleme oder Kapazitätsengpässe verstehen und handeln können, bevor sie auftreten – und nicht nachdem sie aufgetreten sind?

Schauen Sie dich das obige Webcast an, das ich vor Kurzem für Every Angle moderiert habe, um weitere Informationen zu erhalten. Ich hoffe, Sie finden es hilfreich.

Sean Culey
Value Chain Thought Leader
www.seanculey.com